Kantonsspital St.Gallen
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The ERICA (Echographic Risk Index of Carotid Atherosclerosis) Swiss Study: A novel risk index combining degree of stenosis and plaque morphology of the carotid artery: a multicenter study on asymptomatic 50%-80% or symptomatic 50%-69% carotid stenoses

Georg Kägi, Monika Kapauer & Jochen Vehoff

abstract Asymptomatische mittel- bis hochgradige (50% - 99%) oder symptomatische mittelgradige (50-69%) Stenosen der A. carotis interna sind mit einem 5%-igen jährlichen Risiko eines zerebrovaskuläres Ereignisses assoziiert. Unter Berücksichtigung des 3-6% perioperativen Risikos für einen Hirnschlag oder einen Todesfall in Zusammenhang mit einer Carotis-Endarteriektomie ist die Entscheidung für oder gegen ein operatives Vorgehen häufig schwierig und beruht vorwiegend auf dem Kriterium des Stenosegrades. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass viele hochgradige Stenosen über mehrere Jahre asymptomatisch bleiben, während andere, eher mittelgradige Stenosen eine raschere Progression aufweisen und ursächlich für zerebrovaskuläre Ischämien oder TIAs werden. Folglich ist der Stenosegrad allein nicht ausreichend, um das Risiko eines zerebrovaskulären Ereignisses abschätzen zu können. Zusätzliche Kriterien sind notwendig, um die Subgruppen von Patienten zu identifizieren, die von einem operativen Eingriff am meisten profitieren würden. Die hochauflösende Duplexsonographie ist eine geeignete Untersuchungsmethode, um die Oberflächenstruktur einer atheromatösen Plaque zu charakterisieren. Allerdings sind in den meisten bisherigen Studien, die auf einer visuellen Analyse basieren, unterschiedliche Klassifikationssysteme benutzt worden, so dass von einer niedrigen Übereinstimmung und damit eingeschränkter Vergleichbarkeit der einzelnen Untersuchungsergebnissen ausgegangen werden muss. Ein vom Untersucher weniger abhängiger Ansatz besteht in einer Quantifizierung der Echogenität der Plaque über eine computergesteurte Analyse, die auf einer Graustufenskalierung beruht. Diese Analysemethode korreliert gut mit dem Auftreten klinischer Symptome, allerdings weniger mit histopathologischen Befunden. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass eine Graustufenskalierung eine Messung der Echogenität der Plaque im Gesamten darstellt und regionale Veränderungen in der Plaque nicht berücksichtigt werden. Es wurde daher eine neue Analysemethode entwickelt, die auf einer farbkodierten Einteilung der Regionen unterschiedlicher Graustufen der gesamten Plaque und deren Oberfläche basiert. Es konnte eine gute Korrelation zwischen dieser Messmethode und den verschiedenen histopathologischen Komponenten der Plaque nachgewiesen werden. Darüber hinaus konnte in einer anderen Studie gezeigt werden, dass niedrige Grauwerte und Vorherrschen der Farbe rot (entsprechend niedrigen Grauwerten) an der Plaqueoberfläche symptomatische Stenosen der A. carotis interna mit einer hohen Sensitivität und Spezifität vorhersagen können.
Ziel dieser Studie ist die Bestimmung des Vorhersagwertes eines neuen Risikoindexes, der sich aus dem Stenosegrad und dem Anteil der vorherrschenden Farbskalierung an der Plaqueoberfläche errechnet. Nach unserer Hypothese würde ein Risikoindex > 0,38 das Auftreten nachfolgender zerebrovaskulärer Ereignisse und/oder klinisch stummer MRI-Veränderungen bei Patienten mit asymptomatischen 50-80% Stenosen der A. carotis interna oder symptomatischen 50-69% Stenosen der A.carotis interna mit einer Sensitivität von 80% und einer Spezifität von 65% vorhersagen können.
Vier neurosonologische Zentren (Genf, Bern, Zürich und Basel) werden insgesamt 440 Patienten in die Studie einschliessen. Davon sollten 220 auf Patienten mit asymptomatischer 50-80% Stenose der A. carotis interna und 220 auf Patienten mit symptomatischer 50-69% Stenose der A. carotis interna entfallen, bei denen zum momentanen Zeitpunkt keine Indikation zu einem operativen oder endovaskulären Vorgehen besteht. Der Stenosegrad wird mittels Duplexsonographie ermittelt. Ausschlusskriterien sind 1) ein Verschluss der A. carotis interna, 2) ein Schallschatten, der die Beurteilung der Plaque unmöglich macht, 3) Patienten, bei welchen die Indikation zu einem operativen Vorgehen besteht und 4) Patienten mit einer kardialen Erkrankung, die eine mögliche Emboliequelle darstellt. Über eine follow up Periode von 3 Jahren werden regelmässige 6-monatige Kontrollen durchgeführt, die eine Anamneseerhebung nach einem strukturiertem Interview inklusive Erfassung der kardiovaskulären Risikofaktoren, eine Ultraschalluntersuchung zur Analyse der Plaque nach oben genannter Messmethode und eine Blutentnahme mit Bestimmung von LDL-Cholesterin, Glucose und CrP beinhaltet. Zu Beginn und am Ende der Studie wird ein MRI des Schädels mit T2- und Diffusionswichtungen zur Bestimmung der Läsionslast durchgeführt.
   
project partner Dr. Roman Sztajzel, Neurologie Genf (HCUGE)
type of project clinical studies
status completed
start of project 2010
end of project 2017
study design Prospektive Kohortenstudie
responsible person Dr. med. Kägi Georg