Kantonsspital St.Gallen
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Langfristige Vorhersage nachhaltigen Therapieerfolgs bei Interdisziplinärer Multimodaler Schmerztherapie (IMST)

Nicolas Germann, Jochen Oeltjenbruns, Dagmar Schmid, Alexander Ott, Larissa Blättler, Alina Scheidegger & Martin Grosse Holtforth

abstract Dem Frühwarnsystem Schmerz wird eine lebenswichtige Funktion zugeschrieben, da es dem Organismus eine drohende oder bereits manifeste Schädigung von Körpergewebe signalisiert. Tritt Schmerz chronisch auf, hat er seine Funktion als Alarmsignal jedoch verloren. Chronischen Schmerzen kommt keine biologische Aufgabe zu und sie werden oft – losgelöst von der Grundkrankheit – zur Krankheit selbst (Ernst, 1998). Patienten mit chronischen Schmerzstörungen stellen in Facharztpraxen ein häufiges und wichtiges Problem dar (Kröner-Herwig, 2018), zumal die Therapie chronischer Schmerzen vor dem Hintergrund der Einordnung als biopsychosoziale Erkrankung als schwierig gilt (Arnold et al., 2014). Die vorliegende Masterarbeit nimmt sich der Auswertung eines stationären Therapieprogramms für chronische Schmerzpatienten am Kantonsspital St.Gallen in der Schweiz an. Die untersuchte Stichprobe – 37 Patienten (30 weibliche, 7 männliche Personen) – profitierte dabei von der aktuell effektivsten Therapieform, welche als Multimodale Schmerztherapie (MMST) bezeichnet wird. Der Therapieverlauf wurde zu drei Messzeitpunkten – T0 (Beginn der 3-wöchigen stationären Therapie), T1 (Ende der stationären Phase) und T2 (Refresher-Woche; 6 Monate nach T1) – erhoben und mittels einer retrospektiven Analyse ausgewertet. Die Resultate zeigen, dass die Effektivität der therapeutischen Massnahme gegeben ist und sich der Gesundheitszustand der Patienten hinsichtlich aller gemessenen Outcome-Domänen über den Therapieverlauf hinweg verbessert hat – eine Verschlechterung fand in keinem Bereich statt. Statistisch signifikante Verbesserungen zeigten sich in den Outcome-Domänen emotionales Wohlbefinden und gesundheitsbezogene Lebensqualität sowohl kurz- (T0 zu T1) als auch langfristig (T0 zu T2). Der Teilbereich physische Aktivität erfuhr eine kurzfristige Verbesserung (T0 zu T1). Die Effektstärken Eta-Quadrat η2 (.034 - .145) entsprachen dabei kleinen bis grossen Effekten. In diesem Zusammenhang soll insbesondere die komorbide affektive Symptomatik erwähnt werden, welche sich mit einer mittleren (Depressivität) und grossen Effektstärke (Angst) nachhaltig – sowohl von T0 zu T1 als auch von T0 zu T2 – verbessert hat. Die Intention, auf prospektive Sicht nachhaltigen Therapieerfolg vorhersagen zu können und hierfür die Best Responder für das Therapieprogramm in St.Gallen ausfindig zu machen, ist gelungen. Als Prädiktoren für einen erfolgreichen Therapieverlauf mit nachhaltigem Behandlungserfolg haben sich die demografischen Kriterien Geschlecht und Alter herauskristallisiert. Eine Patientin, welche zwischen 46 und 55 Jahre alt ist, wird – prädiktiv betrachtet – in St.Gallen am meisten Therapieerfolg erzielen. Als übergeordnetes Ziel soll mit diesen Erkenntnissen ein Beitrag zur Schaffung einer Grundlage für effiziente Therapieallokationsentscheidungen geleistet werden und damit letztlich eine Optimierung des Verbesserungspotenzials der objektiven und subjektiven Funktionsfähigkeit (functional restoration) der Betroffenen angestrebt werden. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive unterstützt dies längerfristig den Abbau der extensiven Krankheits- bzw. Sozialkosten des Krankheitsbilds chronischer Schmerzen. Mit dem Einbezug zukünftiger Datensätze bzw. Patienten, welche vom multimodalen Therapieprogramm in St.Gallen profitieren, können weitere Auswertungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.
   
citation Germann N, Oeltjenbruns J, Schmid D, Ott A, Blättler L, Scheidegger A, & Grosse Holtforth M (2021). Langfristige Vorhersage nachhaltigen Therapieerfolgs bei Interdisziplinärer Multimodaler Schmerztherapie (IMST). In .
   
type conference paper/poster (Deutsch)
name of conference Poster presented at the congress of DGPPN (Berlin, Germany)
date of conference 24-11-2021
contact Nicolas Germann